Stoff und Pilz unterscheiden
Ein Fruchtkörper ist ein Gemisch. Die Formel eines Moleküls beschreibt weder den gesamten Pilz noch den Gehalt in einem Fund.
Suche in allen Artporträts und Sprachen.
22 Stoffporträts über Signalwege, Organe und Wechselwirkungen. Mit Stoffcharakterisierung, verfügbaren Strukturansichten und nachvollziehbaren Grenzen des Wissens.
Die Stoffe entdecken ↓Ein Fruchtkörper ist ein Gemisch. Die Formel eines Moleküls beschreibt weder den gesamten Pilz noch den Gehalt in einem Fund.
Rezeptorversuche, Tiermodelle, Fallberichte und klinische Studien beantworten verschiedene Fragen. Der gelesene Umfang steht am Beleg.
Ein berichteter Nutzen ist eine Forschungsfrage. Ein unbekannter Auslöser erhält keine erfundene Formel. Eine Latenzzeit ist keine Warteempfehlung.
GABA-A-Rezeptoren
Verändert die hemmende Signalübertragung im Gehirn. Pharmakologische Wirkung, subjektives Erleben und medizinischer Nutzen sind unterschiedliche Fragen.

Glutamat-Rezeptoren
Eine neuroaktive Aminosäure, aus der durch Abspaltung von Kohlendioxid Muscimol entstehen kann. Beide Stoffe besitzen unterschiedliche pharmakologische Eigenschaften.

Muscarinische Acetylcholin-Rezeptoren
Aktiviert Rezeptoren des vegetativen Nervensystems. Trotz des ähnlichen Namens ist Muscarin etwas anderes als Muscimol.

RNA-Polymerase II
Ein besonders gut untersuchtes Amatoxin. Es hemmt die Abschrift von Erbinformation und kann lebenswichtige Zellfunktionen beeinträchtigen.

Nierengewebe
Ein nierenschädigender Stoff bestimmter Rauköpfe. Der lange Abstand zwischen Mahlzeit und Beschwerden erschwert die Zuordnung.

Unter anderem Leber und Nervensystem
Seine Abbauprodukte tragen wesentlich zur Giftwirkung bei. Dazu gehört Monomethylhydrazin, kurz MMH.

Alkoholabbau · Aldehyd-Dehydrogenase
Hier ist die Wechselwirkung mit Alkohol entscheidend. Ein Abbauprodukt von Coprin beeinträchtigt den weiteren Abbau von Acetaldehyd.

Über Psilocin vor allem serotonerge Signalwege
Ein Pilzinhaltsstoff mit intensiv erforschtem therapeutischem Potenzial. Kontrollierte Studien zeigen ermutigende Ergebnisse, aber auch nicht erreichte Endpunkte. Entscheidend sind Erkrankung, Begleitung, Vergleichsbehandlung und Dauer der Nachbeobachtung.

Unter anderem Serotonin-2A-Rezeptoren
Die eng mit Psilocybin verbundene Wirkform. Sie kommt in Pilzproben vor und entsteht im Körper aus Psilocybin. Für das Verständnis von Rezeptorwirkung und Stoffwechsel müssen beide Verbindungen unterschieden werden.

Transkription · Amatoxingruppe
Ein weiteres Amatoxin des Grünen Knollenblätterpilzes. Stoffidentität, Gewebeverteilung und das klinische Vergiftungssyndrom sind getrennte Ebenen.

Aktinfilamente · Zellskelett
Phalloidin bindet an F-Aktin. Seine ausgeprägte experimentelle Giftwirkung darf nicht mit der Aufnahme eines Stoffes aus einer Pilzmahlzeit gleichgesetzt werden.

Zellschädigung · Reaktivität gegenüber Zellbestandteilen
Ein toxischer Inhaltsstoff von Ölbaumtrichterlingen. Die zellschädigende Wirkung erklärt auch das Forschungsinteresse an chemisch veränderten Derivaten.

Schmerzverarbeitung · glutamaterge Signalwege
Ein Inhaltsstoff des Parfümierten Trichterlings, der mit anhaltenden brennenden Schmerzen in Verbindung steht. Analytische Nachweise und Schmerzmodelle ergänzen die klinischen Beobachtungen.

Natrium-Kalium-ATPase · experimentelle Hemmung
Ustalsäure zeigt besonders deutlich, warum Pilzgiftforschung eine genaue Taxonomie braucht: ältere japanische Arbeiten verwendeten Tricholoma ustale in einem heute anders abgegrenzten Sinn.

Unter anderem Pyrimidinbiosynthese
Ein untersuchter Inhaltsstoff des Zimtfarbenen Weichporlings. Experimentelle Befunde stützen seine Rolle als wahrscheinlich wirksamer Giftstoff bei Vergiftungen mit diesem Pilz.
Fallberichte vorhanden; Polyporsäure als wahrscheinlicher Auslöser eingeordnet.

Muskelgewebe · Rhabdomyolyse
Aus Russula subnigricans isolierter Stoff mit experimentell belegtem Bezug zur Muskelschädigung. Das zugehörige Pilzsyndrom kann lebensbedrohlich verlaufen.
Schwere Rhabdomyolyse nach Pilzverzehr beschrieben; kein isolierter Stoffversuch am Menschen.

Zelluläre Stressreaktionen · Proteinsynthese
Ein toxischer Inhaltsstoff von Podostroma cornu-damae. Neben chemischen und experimentellen Untersuchungen liegt ein Nachweis in menschlichen Proben eines tödlichen Vergiftungsfalls vor.
Analytischer Nachweis in Blut und Mageninhalt eines tödlichen Falls.

Nukleosidtriphosphate · Proteinsynthese
Ein aus dem Satansröhrling gereinigtes toxisches Protein. Die mechanistischen Arbeiten beschreiben eine Hemmung der Proteinsynthese im Zusammenhang mit der Spaltung von Nukleosidtriphosphaten.
Der Anteil des einzelnen Proteins am gesamten menschlichen Pilzsyndrom wird hier nicht als abschließend geklärt dargestellt.
Hier ist keine Strukturformel hinterlegt.
Schmerzverarbeitung · Allodynie
Ein mit Acromelsäure A verwandter Stoff aus Paralepistopsis acromelalga. Analytische Nachweise und Schmerzmodelle erlauben einen Vergleich, ohne die beiden Stoffe gleichzusetzen.
Der getrennte Anteil von A und B am menschlichen Syndrom bleibt offen.

Experimentell untersuchte neurotoxische Zusammenhänge
Ein experimentell untersuchter Inhaltsstoff des Ohrförmigen Seitlings. Seine genaue Rolle bei menschlichen Vergiftungen ist noch nicht abschließend geklärt.
Ein mechanistischer Erklärungsansatz; der Kausalanteil beim Menschen bleibt offen.

Genotoxizität im Versuch
Ein natürlicher Inhaltsstoff von Champignons. Sein Vorkommen ist belegt; wie sich unterschiedliche Laborbefunde auf das gesundheitliche Risiko beim Menschen übertragen lassen, bleibt eine eigene Forschungsfrage.
Die ausgewerteten Arbeiten belegen weder eine Krebswirkung noch einen therapeutischen Nutzen beim Menschen.

Adrenerge, serotonerge und dopaminerge Rezeptoren
Eine Gruppe von Alkaloiden mit gemeinsamem Ergolin-Grundgerüst, die vor allem im Mutterkorn eingelagert ist. Sie wirken an adrenergen, serotonergen und dopaminergen Rezeptoren und lösten früher Ergotismus-Epidemien aus. Heute begrenzt die EU Mutterkorn und die Summe von zwölf Hauptalkaloiden in Getreide und Getreideerzeugnissen.
Ergotismus-Epidemien sind historisch belegt. Heute bewerten Behörden vor allem Gehalte in Getreideerzeugnissen, besonders aus Roggen.
Hier ist keine Strukturformel hinterlegt.
Beim Kahlen Krempling beschreibt die Fachliteratur eine Immunhämolyse: Rote Blutkörperchen werden im Zusammenhang mit einer Immunreaktion zerstört. Auch nach früheren problemlosen Mahlzeiten sind schwere Reaktionen möglich. Das beteiligte Antigen ist nicht eindeutig charakterisiert; eine gesicherte Strukturformel fehlt.
Vergiftungssyndrome
DGfM · Fachausschuss Pilzverwertung und Toxikologie · Stand 22.01.2023 · Fachgesellschaft
Abschnitte Amatoxin, Gyromitrin, Orellanus, Muscarin, Pantherina, Coprinus und Paxillus; Artzuordnung und zeitliche Einordnung · eingesehen 01.10.2026
Diese erste Auswahl deckt wichtige, gut beschreibbare Stoffe ab. Weitere Pilzgifte und Vergiftungssyndrome sind damit nicht vollständig erfasst.
Summenformeln, molare Massen und Strukturansichten stammen aus den verlinkten PubChem-Datensätzen. Die Zahlen beschreiben die dort ausgewiesene Verbindung, keine toxische Dosis. Die Strukturansichten folgen der im Datensatz gespeicherten Tautomerendarstellung: Wasserstoffpositionen und Doppelbindungen können in anderen Darstellungen desselben Stoffes anders eingezeichnet sein. Ladung, räumliche Anordnung und gegebenenfalls Salzform sind bei einem chemischen Vergleich mitzudenken.
Jeder Textabschnitt nennt seine Grundlage und den tatsächlich gelesenen Umfang. Die Auswahl ist eine gezielte Literaturrecherche, kein vollständiger systematischer Review. Eine unabhängige toxikologische Fachprüfung steht aus.