Was Fundmeldungen aussagen
Die Datenbasis verstehen, bevor man Balken vergleicht.
Der Kern. Fundmeldungen zeigen dokumentierte Nachweise unter bestimmten Erfassungsbedingungen.
Ein Nachweis in einem Datensatz
GBIF bündelt Datensätze zu Vorkommen eines Taxons an Ort und Zeitpunkt. Daraus entstehen unsere gespeicherten Monats- und Länderzahlen. Die Zahlen beziehen sich auf die gewählte Abfrage und ihre Filter, nicht auf eine vollständige Zählung aller Pilze.
Den Ausschnitt prüfen
Unsere Abfrage umfasst 2015–2025 und zehn benannte Länder. Monat und Land sind getrennte Verteilungen: Aus dem Balken für Oktober lässt sich kein Oktoberwert für Deutschland berechnen. Auf jeder enthaltenen Datenseite stehen die Abfrage, der Abrufzeitpunkt und die beteiligten Quellen.
Lücken sichtbar lassen
Fehlende Meldungen bedeuten nicht automatisch fehlendes Vorkommen. Die Daten wurden nicht unter überall gleichen Beobachtungsbedingungen erhoben. Neue Vergleichsarten können bereits ein Porträt besitzen, während für sie noch kein regionaler Snapshot integriert ist. Dieser Zustand wird ausdrücklich angezeigt.
Warum die Suchmethode Teil des Ergebnisses ist
Die Bearbeiter von Pilze der Schweiz beschrieben wiederholte Begehungen, verschiedene Jahreszeiten und die gezielte Suche nach besonderen . Das macht verständlich, warum eine Fundliste vom Vorgehen ihrer Bearbeiter abhängt. Wer nur große Hutpilze im Herbst fotografiert, erfasst einen anderen Ausschnitt als jemand, der im Winter kleine Fruchtkörper auf Holz untersucht. Für einen Vergleich von Gebieten braucht man deshalb Angaben zu Fläche, Zeitraum, Suchaufwand, Substraten und Bestimmung. Die Beobachtungen werden dadurch nicht wertlos: Mit ihrem Entstehungskontext können sie gezielt für passende Fragen genutzt werden.
Belege [3]
Ein Funddatensatz ist keine standardisierte Zählung
GBIF unterscheidet Vorkommensdaten von Daten aus dokumentierten Erhebungsereignissen. Letztere können ein festgelegtes Verfahren, wiederholte Besuche und Mengenangaben enthalten. Erst solche Angaben erleichtern belastbare Vergleiche zwischen Orten und Zeitpunkten. Die bloße Anzahl zusammengetragener Vorkommensmeldungen enthält diese Information nicht automatisch.
Belege [2]
Ein einfaches Gegenbeispiel
Unser Rechenbeispiel: In Gebiet A werden nach zwanzig Exkursionen vierzig Funde gemeldet, in Gebiet B nach zwei Exkursionen zehn. Aus 40 gegenüber 10 folgt keine vierfach höhere natürliche Häufigkeit. Selbst eine Division durch die Exkursionszahl wäre ohne vergleichbare Dauer, Fläche und Methode unzureichend. Solche Beispieldaten dienen nur zur Erklärung; sie sind keine Auswertung der Mykolog-Daten.
Vor dem Weiterrechnen den Beleg prüfen
Unser Prüfprotokoll beginnt bei Herkunft, Datum, räumlicher Genauigkeit und taxonomischer Zuordnung einer Meldung. Ein Punkt auf der Karte kann genauer wirken als die ursprüngliche Ortsangabe. Bewahre den Datensatzbezug auf und beachte Qualitätskennzeichnungen. Für unsere Monatskurven gilt weiterhin: Sie zeigen Meldungen der gespeicherten Auswahl und erlauben keine direkte Aussage darüber, wie häufig eine Art gerade im Wald ist.
Belege [1]
Am echten Beispiel vergleichen.
Jedes Beispiel beantwortet eine Frage dieses Kapitels mit einer Aussage, die im Artporträt mit Fundstelle steht, oder mit Zahlen aus der gespeicherten Fundmeldungsabfrage. Material, Medien und offene Punkte stehen getrennt; das Beispiel ist ein Ausgangspunkt, keine Bestimmung.

Echter Pfifferling
Cantharellus cibarius
- Leitfrage
- Wie viele Pfifferlingsmeldungen gab es im August in Deutschland?
- Gezeigter Befund
In der gespeicherten Abfrage stehen 3.133 Datensätze. Im August sind es 836 – über alle zehn Länder zusammen. Aus Deutschland sind es 959 – über alle Monate zusammen. Einen Wert für einen Monat in einem einzelnen Land enthält die Abfrage nicht.
Im Porträt nachlesen- Material · Objekt
- Gespeicherte GBIF-Abfrage für taxonKey 5249504: Beobachtungsjahre 2015–2025, zehn Länder, Stand 01.10.2026. Auswahl: menschliche Beobachtungen mit Koordinaten, ohne von GBIF markierte Geodatenfehler, als vorhanden gemeldet, Lizenz CC0 oder CC BY.
- Quelle
- Exakte GBIF-Abfrage
GBIF.org · abgerufen 01.10.2026 - Zulässige Deutung
- Das beantworten die gespeicherten Zahlen nicht. Aus den beiden Summen folgt nur eine Spanne: zwischen 0 und 836 deutsche Augustmeldungen. Für eine Zahl müssten Monat und Land gemeinsam abgefragt werden.
- Offene Frage
- Auch eine gemeinsame Abfrage zählt Meldungen, nicht Pilze: Wer hat wann wo gesucht? Das enthält die Abfrage nicht.
- Medien
- Datendarstellung: Monats- und Länderbalken mit Tabelle und CSV im Porträt, aus derselben gespeicherten Abfrage.

Fichtensteinpilz
Boletus edulis
- Leitfrage
- Wächst in der Schweiz fast so viel Fichtensteinpilz wie in Deutschland?
- Gezeigter Befund
In der gespeicherten Abfrage stehen 4.396 Datensätze, davon Deutschland 1.805, Schweiz 1.410. Der größte beitragende Datensatz, „Swiss National Fungi Databank“, liefert 1.356 davon.
Im Porträt nachlesen- Material · Objekt
- Gespeicherte GBIF-Abfrage für taxonKey 5954958: Beobachtungsjahre 2015–2025, zehn Länder, Stand 01.10.2026. Auswahl: menschliche Beobachtungen mit Koordinaten, ohne von GBIF markierte Geodatenfehler, als vorhanden gemeldet, Lizenz CC0 oder CC BY.
- Quelle
- Exakte GBIF-Abfrage
GBIF.org · abgerufen 01.10.2026 - Swiss National Fungi Databank
Gross A, Blaser S, Senn-Irlet B (2026). Swiss National Fungi Databank. Version 1.7. Swiss National Biodiversity Data and Information Centres – InfoSpecies. Occurrence dataset https://doi.org/10.16904/envidat.136 accessed via GBIF.org on 2026-10-01.
- Exakte GBIF-Abfrage
- Zulässige Deutung
- Die Länderwerte zeigen, wie viele Meldungen über die abgefragten Datensätze bereitstehen. Sie sind keine Menge pro Fläche. Welche Erhebungen und Meldeplattformen Daten freigeben, prägt die Balken mit.
- Offene Frage
- Wie viel Fläche, Zeit und Suchaufwand stecken hinter den Meldungen jedes Landes? Die zusammengefasste Abfrage enthält dazu keine Angaben.
- Medien
- Datendarstellung: Länderwerte und beitragende Datensätze im Porträt, aus derselben gespeicherten Abfrage.

Ölbaumtrichterling
Omphalotus olearius
- Leitfrage
- Bedeutet „0 Meldungen aus Deutschland“, dass der Ölbaumtrichterling dort fehlt?
- Gezeigter Befund
In der gespeicherten Abfrage stehen 69 Datensätze, aus Deutschland keiner. Die Meldungen stammen aus Österreich (52), Ungarn (7), Schweiz (5), Tschechien (2), Slowenien (2), Slowakei (1).
Im Porträt nachlesen- Material · Objekt
- Gespeicherte GBIF-Abfrage für taxonKey 2538088: Beobachtungsjahre 2015–2025, zehn Länder, Stand 01.10.2026. Auswahl: menschliche Beobachtungen mit Koordinaten, ohne von GBIF markierte Geodatenfehler, als vorhanden gemeldet, Lizenz CC0 oder CC BY.
- Quelle
- Exakte GBIF-Abfrage
GBIF.org · abgerufen 01.10.2026 - Zulässige Deutung
- Die Null gilt nur für diesen Ausschnitt mit seinen Filtern. Sie zeigt, dass im Snapshot keine passende Meldung vorliegt – nicht, dass die Art in Deutschland fehlt.
- Offene Frage
- Wie viele Meldungen fallen durch Zeitraum, Lizenz oder fehlende Koordinaten aus der Auswahl? Das wurde nicht abgefragt.
- Medien
- Datendarstellung: Monats- und Länderwerte im Porträt, aus derselben gespeicherten Abfrage.
Bildnachweise
Echter Pfifferling
Foto: Andreas Kunze · CC BY-SA 3.0 · Original
Fichtensteinpilz
Foto: Holger Krisp · CC BY 3.0 · Original
Ölbaumtrichterling
Foto: Thomas Schoch · CC BY-SA 3.0 · Original
Hier geht die Frage weiter.
Wie Pilze lebenVom Fund zu einer nachprüfbaren BeobachtungWann eine Einordnung offenbleibtQuellen & Fundstellen.
Die angegebenen Abschnitte tragen die fachlichen Aussagen. Beobachtungsfragen und Arbeitsblätter sind redaktionelle Vorschläge. Literaturfassung mit maschinellem Quellenabgleich; eine unabhängige mykologische Fachprüfung steht aus.
- GBIF · Data quality recommendations
Occurrence-Daten, Qualitätskontrollen und räumliche Angaben.
Eingesehen 10.10.2026 - GBIF · Dataset classes
Unterschied zwischen Occurrence- und Sampling-event-Datensätzen.
Eingesehen 10.10.2026 - Pilze der Schweiz, Band 1: Ascomyceten (1984)
Josef Breitenbach & Fred Kränzlin · 2., korrigierte Auflage, gedruckte S. 15; bereitgestellte Monografie. PDF-Seite = gedruckte Seite − 1. Historische Systematik nicht als heutige Klassifikation übernommen.
Eingesehen 14.10.2026